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Über den Stopselzieher auf die Zugspitze

am 12.09.2020

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Pünktlich um 6:20 Uhr werde ich von den Mindelheimern am Parkplatz Süd in Memmingen abgeholt und dann geht es ohne Stau nach Ehrwald, wo wir um 8:00 Uhr an der Talstation der Zugspitzbahn (1.200m) loslaufen. Es ist noch leicht diesig und bei guten Gesprächen gewinnen wir schnell an Höhe. Nach einer knappen Stunde und über 400 Höhenmetern machen wir eine Trinkpause und genießen die Aussicht: Unten im Tal hängen immer noch die Wolken und wir haben bei blauem Himmel einen traumhaften Blick von der Ehrwalder Sonnenspitze bis zum Daniel.
Gestärkt gehen wir weiter und erreichen nach 2 ½ Stunden die Wiener Neustädter Hütte (2.213m). Die ersten 1.000 Höhenmeter sind geschafft und Tourleiter Peter meint: „Eigentlich habe ich unsere Ankunft auf der Hütte erst eine halbe Stunde später eingeplant – na, da haben wir uns eine ausführliche Pause verdient!“. So holen wir uns Suppe und Getränke und genießen den Blick auf den mächtigen Felsaufbau der Zugspitze, wo schon einige Kletterer, klein wie Ameisen, den Klettersteig bezwingen.
Es kommen jetzt immer mehr Bergsteiger auf die Hütte und so legen wir die Kletterausrüstung an und brechen auf. Nun geht es über einen gerölligen Weg durch das Gamskar zu dem Einstieg des Stopselzieher-Klettersteigs. Es ist ein leichter Klettersteig (meist A/B), der von kurzen, ungesicherten Klettereien (bis 1. Schwierigkeitsgrad) unterbrochen wird. Gerade das macht die Tour spannend, weil man sich immer mal wieder den Weg selber suchen kann. Ab und zu fallen lockere Sprüche von den Teilnehmern und man merkt, dass die Gruppe toll drauf ist und einen riesigen Spaß an der Tour hat. Viel zu schnell ist die Kletterpartie zu Ende und wir legen nochmals eine kurze Pause an der alten, verfallenen Bergstation ein.
Nach kurzer Zeit erreichen wir eine kleine Scharte und können den ersten Blick auf das große Zugspitzplateau und den verschwindend kleinen Gletscher werfen. Ja, wir wissen alle um den Klimawandel, aber beim Anblick eines jämmerlichen Gletscherrestes werden die Folgen sehr deutlich sichtbar.
Wir wenden uns wieder dem Gipfel zu, der jetzt in greifbarere Nähe ist, und eine halbe Stunde haben wir es geschafft: Wir stehen auf der Gipfelstation! Nun kommt der schwierigste Teil der Tour, die Bezwingung der letzten 10 Höhenmeter. Hier präsentiert sich die Zugspitze von ihrer schönsten und gleichzeitig kuriosesten Seite: Unzählige Bergsteiger und Halbschuhtouristen klettern ungesichert über eine steile Leiter und über abschüssige Stellen bis zum goldenen Kreuz. Aber alle eint das erhebende Gefühl, auf dem höchsten Berg Deutschlands zu stehen!
Nach einem Gipfelfoto steigen wir zur Gipfelstation, machen auf deren Terrasse eine Einkehr und schweben dann glücklich und zufrieden mit der Tiroler Zugspitzbahn ins Tal. Und für mich ist klar: Dies war sicher nicht die letzte Bergtour mit dem Mindelheimer DAV, denn es passte alles: Das Wetter, die Gruppe und der Berg! Und dank des ruhigen Tempos von Peter habe ich die 1.700 m Aufstieg auch am nächsten Tag nicht gemerkt.

 

Bericht: Simone Kühn

Bilder: Peter Wiedemann, Norbert Pienle, Rainer Siebert, Manuela Stache

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