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Das wohlbestellte Haus

Bericht über die Jahreshauptversammlung 2011

(Von Johann Stoll, erschienen in der Augsburger Allgemeinen am 19. April 2011)

Mindelheim Wenn gleich beide Bürgermeister sich die Zeit nehmen, dann muss schon etwas Besonderes anstehen. Am Freitagabend zur Jahreshauptversammlung des Alpenvereins, Sektion Mindelheim, im Forum waren Dr. Stephan Winter und Herbert Kugler gekommen. Immerhin ging es diesmal um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft des Vereins, der über Wochen erfolglos nach einem Nachfolger von Josef Schafnitzel gesucht hatte.

Auf 1743 Mitglieder ist der Mindelheimer Alpenverein inzwischen angewachsen. Damit ist er nach dem TSV Mindelheim der zweitgrößte Verein der Kreisstadt. Zu Beginn der Amtszeit von Josef Schafnitzel und seinem Vize Peter Riedmaier vor zwölf Jahren waren es noch rund 1200 Mitglieder. Daran allein lassen sich die Dynamik und die Attraktivität des Alpenvereins ablesen.

Schafnitzel hat ein wohlbestelltes Haus hinterlassen. Die Umbauarbeiten der Mindelheimer Hütte sind weitgehend gediehen. Die Hütte gilt als eine der schönsten im deutschen Alpenraum. Rund 400 000 Euro sind in den Umbau der Hütte gesteckt worden, sagte Hüttenwart Gerhard Groos. Heuer folgen nur noch ein paar Arbeiten beim Brandschutz.

Hüttenwirt Jochen Krupinski und seine Mannschaft haben die Hütte zu einem beliebten Treffpunkt gemacht, was auch für den Mindelheimer Alpenverein von Vorteil ist. Es sind für den laufenden Betrieb keine Zuschüsse aus Vereinsmitteln notwendig, wie aus dem Bericht von Schatzmeister Günther Träumer hervorging.

Die Gesamtverschuldung liegt bei 447 000 Euro. Im vergangenen Jahr konnte dieser Berg um 40 000 Euro verringert werden. Die Hütte hat ein Plus von 26 000 Euro abgeworfen. Die Zahl der Übernachtungen lag bei 8225 – angesichts des schlechten Sommers sei dies ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis gewesen, sagte Träumer.

Trotz dieser Erfolge mochte Schafnitzel als Vorsitzender nicht weitermachen. Lediglich als Fachübungsleiter bleibt er dem Alpenverein in einer Leitungsfunktion erhalten. Zur Begründung für seinen Ausstieg sagte er, er sei immer der Praktiker, Handwerker und Tourengeher gewesen. „Zur Aufgabe als 1. Vorsitzender gehört auch Bürotätigkeit“, sagte er. Dies sei nie ganz seine Welt gewesen. „Mein Wohnzimmer ist die steile Felswand, nicht der Schreibtisch“, sagte Schafnitzel.

Mit Gerhard Groos hat sich dann aber im Vorfeld der Jahresversammlung doch noch jemand gefunden, der bereit ist, dieses Ehrenamt als 1. Vorsitzender zu schultern. Groos ist dem Alpenverein bisher als Hüttenwart verbunden. Er arbeitet als Bauingenieur bei der Mindelheimer Firma Glass. Als Skihochtourenführer stand er bereits seinen Mann. Groos wurde mit überwältigender Mehrheit der knapp 100 Anwesenden gewählt.

Gefunden wurde auch ein zweiter Vorsitzender. Christine Heim übernimmt die Aufgabe von Peter Riedmaier, der aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidiert hatte. Heim ist Verwaltungswirtin.

Herbert Kugler: Willi Schielles Stiefel gut ausgefüllt

Bürgermeister Dr. Stephan Winter würdigte die gute Zusammenarbeit mit der alten Vorstandschaft. Die neue Geschäftsstelle im Luxenhofer-Kindergarten nannte Winter ein gelungenes Gemeinschaftswerk.

Herbert Kugler ging in seinem Grußwort auf die Probleme ein, die viele Vereine haben, Nachfolger an der Spitze zu finden. Der Alpenverein habe dieses Problem nicht. Kugler bescheinigte Schafnitzel, er habe die „riesigen Stiefel, die Willi Schielle“ als Vorsitzender hinterlassen habe, gut ausgefüllt.

Josef Schafnitzel ging in seinem Bericht auf die vielfältigen Touren des Alpenvereins ein – von der einfachen Wanderung bis zur hochalpinen Herausforderung. Mehr und mehr gefragt sind auch Schneeschuhtouren. Neu gegründet hat sich auch eine Familiengruppe, die so gefragt ist, dass derzeit keine weiteren Mitglieder aufgenommen werden können.

Überhaupt kümmert sich der Alpenverein sehr um den Nachwuchs. Jugendwart Christian Schneider berichtete von Ausflügen zum Tegelberg und von Klettertraining. Für die Ortsgruppe Kirchheim berichtete Bernhard Graf.

Eine besondere Ehrung erfuhr Max Holzheu. Eine Erstdurchsteigung der Nordwand des Angererkopfes trägt den Namen des Mindelheimers. Josef Schafnitzel hatte die Wand mit Schwierigkeitsgrad 6+ in zwei Sommern bewältigt. Holzheu war großzügiger Materialspender und durfte sich über eine Fotodokumentation des spektakulären Bergabenteuers freuen.

Zum Originalartikel in der Augsburger Allgemeinen